Schmerztherapie

Schmerzen nach Operationen - Systematisches Schmerzmanagement an der Charité

Die Bedeutung einer guten Schmerztherapie nach Operationen ist schon vor Jahren erkannt worden. Umfangreiche wissenschaftliche Literatur konnte zeigen, dass die Schmerzbehandlung nach operativen Eingriffen nicht nur die Zufriedenheit und Lebensqualität von Patienten verbessern kann, sondern auch Einfluß auf die Gesundung des Patienten hat.
Zum einen werden ungünstige Stoffwechselreaktionen auf das chirurgische Trauma, das sog. postoperative Stresssyndrom, verhindert. Insbesondere Patienten mit Herz- und Kreislauferkrankungen oder Lungenerkrankungen haben daher nachweislich weniger Komplikationen in den Tagen nach einer Operation.
Zum anderen werden durch den akuten Schmerz ausgelöste dauerhafte Veränderungen des Nervensystems – sog. Neuroplastizität - im Sinne einer erhöhten Schmerzempfindlichkeit und damit lang anhaltende Schmerzen vermindert bzw. verhindert.
Trotz der nachweislichen Verbesserungen für die Rekonvaleszenz von Patienten nach Operationen ist die praktische Umsetzung guten Schmerzmanagements nach Operationen in der Vergangenheit in den meisten Kliniken gar nicht oder unvollständig erfolgt. Dabei existieren eine Reihe guter für die Praxis entwickelte Leitlinien und Fortbildungsinitiativen von Fachgesellschaften. Der sog. Expertenstandard („Schmerzmanagement in der Pflege“) verfolgt daher einen ganz pragmatischen Ansatz mit konkreten Empfehlungen zur Implementierung auf der Basis von bekannter wissenschaftlicher Evidenz.
Die CharitéUniversitätsmedizin Berlin hat in einer Arbeitsgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern der Krankenpflege, der Chirurgie und der Schmerzzentren seit 2006 schrittweise alle chirurgischen Kliniken mithilfe der Empfehlungen des Expertenstandards beraten und für die jeweiligen Kliniken und deren typischen chirurgischen Eingriffen sog. Stationsstandards zur Behandlung von Schmerzen nach Operationen entwickelt. Wichtige Bestandteile der Stationsstandards sind Hinweise zur regelmäßigen Messung von Schmerzen, zur Basis- und zur zusätzlichen Bedarfsschmerztherapie, die entsprechend der Schwere des Eingriffs abgestuft erfolgt. Seit Einführung der Stationsstandards, die es der Pflege ermöglichen, selbständig die Mehrzahl der Patientinnen und Patienten schnell und effektiv zu behandeln, wurde die Effektivität der Stationsstandards regelmäßig überprüft und kontinuierlich optimiert. Zusammen mit den Stationsärzten und den spezialisierten Akutschmerzdiensten gelingt es damit zunehmend, wie regelmäßige Patientenbefragungen zeigen konnten, eine für die meisten Patientinnen und Patienten befriedigende Schmerzkontrolle zu erreichen. Besonders hervorzuheben ist, dass die verwendeten Methoden einfach und sicher sind. Nur ein kleiner Teil der Patientinnen und Patienten benötigt eine intensivierte Schmerztherapie mit rückenmarknahen Schmerzkathetern (sog. Epiduralanästhesie = PDA) oder mit Schmerzpumpen“ über Venenverweilkanülen gegebene Schmerzmittel (sog. patientenkontrollierte Analgesie = PCA). Die meisten können mit einfachen Schmerzmitteln – meist einer Kombination von einem „einfachen“ Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Metamizol und einem morphinähnlichen Schmerzmittel behandelt werden.
Ein bekannter Schmerzforscher, Herr Professor Rawal aus Schweden, sagte einmal zur Schmerztherapie nach Operationen: „Wir wissen, was wir zu tun haben, wir müssen es aber auch tun!“. Die Charité hat sich davon inspirieren lassen und mit dem Expertenstandard „Schmerzmanagement in der Pflege“ die Behandlungsqualität der Patientinnen und Patienten mit Schmerzen nach Operation deutlich und nachhaltig verbessert. Da dies kein Selbstläufer ist, arbeitet die Charité weiterhin in einem kontinuierlichen Prozess der Qualitätsverbesserung durch Überprüfungen und Standardanpassungen, um die Zufriedenheit und Gesundheit der ihr anvertrauten Patientinnen und Patienten zu sichern.

Nachdruck der Verlagsbeilage des Berliner „Tagesspiegel“ zum 5. Öffnet externen Link im aktuellen FensterNationalen Qualitätskongreß Gesundheit in Berlin (24./25.11.2011), Autor: Dr. Andreas Kopf.

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Schmerztagesklinik

In unserem Benjamin Franklin Schmerzzentrum besteht ab August 2017 die Möglichkeit einer multimodalen Schmerztherapie bei chronischen Schmerzen. Nähere Informationen entnehmen Sie bitte der Informationsbroschüre.

Schmerztherapie bei chronischen Schmerzen

In unserer Hochschulambulanz für Schmerztherapie finden Sie bei chronischen Schmerzen eine Spezialsprechstunde, die Sie und Ihren überweisenden Arzt berät. Bei chronischen Schmerzen hat der Schmerz seine ursprünglich schützende Funktion verloren und sich verselbständigt. Da dabei "biologische", "psychische" und "soziale" Faktoren eine Rolle spielen, ist die Behandlung chronischer Schmerzen eine interdisziplinäre Aufgabe, d.h. es werden immer Therapeuten mehrerer Fachgebiete sein, die sich zusammen um Sie kümmern. In der Regel handelt es sich um Schmerztherapeuten mit anästhesiologischem Hintergrund, Psychologen, Psychosomatiker, Manualtherapeuten und Neurologen. Dass Psychologen und Psychosomatiker zum Team gehören, ist notwendig, um Ihre Schmerzen auch von der psychologischen Seite her zu beurteilen. Die schmerzpsychologische Diagnostik besteht aus einem ausführlichen Gespräch, bei dem nach den Lebensumständen und der Biographie gefragt wird, sowie einer einfachen Testdiagnostik und der Verhaltensbeobachtung. Die psychologische Schmerztherapie basiert auf verschiedenen Ansätzen wie der Tiefenpsychologie und der Verhaltenstherapie. Daneben können Entspannungsverfahren als Einzelverfahren oder als Bestandteil der Psychotherapie eingesetzt werden (Biofeedback, Progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen, Hypnotherapie). Ein Schmerzbewältigungstraining wird als Gruppentherapie angeboten. Alle genannten Verfahren sind effektiv in der Behandlung chronischer Schmerzen. Abhängig vom Ergebnis der differenzierten Diagnostik wird ein geeignetes Therapieprogramm für Sie zusammengestellt, für das wir Ihnen folgende Verfahren – oft in Kombination - anbieten können:

  • Medikamenteneinstellungen und Medikamententestungen
  • psychologische Schmerztherapie
  • Schmerzkathetertestung und Anlage von Schmerzkathetern
  • Nervenblockaden (diagnostisch und therapeutisch)
  • Neurolysen
  • Rückenmarknahe Stimulationsverfahren gemeinsam mit der Klinik für Neurochirurgie
  • Akupunktur

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Schmerztherapie und Symptomkontrolle bei fortgeschrittenen Tumorerkrankungen

Das Palliative-Care-Team betreut und berät Sie, wenn Sie unter einer aktiven, progedienten und weit fortgeschrittenen Erkrankung, in der Regel einer Tumorerkrankung leiden. Das Ziel ist die Verbesserung Ihrer Lebensqualität mittels einer ganzheitlichen Versorgung, mit den Schwerpunkten Schmerz- und Symptomkontrolle, psychosoziale Beratung und Begleitung einschließlich des Angebotes der Trauerbegleitung und Unterstützung bei der Krankheitsbewältigung unter Einbeziehung von Angehörigen. Weiterhin soll die Verbesserung der Kommunikation zwischen stationären und ambulanten Versorgungsbereichen (Hausärzten, Onkologen, Homecare-Ärzten, Sozialstationen, Hauskrankenpflegestationen, Hospizeinrichtungen) dazu dienen, Ihnen eine möglichst frühzeitige und langfristige (häusliche) Betreuung zu ermöglichen. Bei Störungen der Darmfunktion besteht die Möglichkeit einer heimparenteralen Ernährung, d.h., einer künstlichen Ernährung zu Hause. Bei dringenden Fragen  und Notsituationen können Sie sich jederzeit an unsere „Tumorschmerz-Hotline“ wenden, wo Sie ganztäglich kompetenten Rat einholen können.

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Wie kann ich mich im Schmerz- und Palliativzentrum vorstellen?

Wenn Sie Schmerzen aufgrund einer Tumorerkrankung, eines M. Sudeck („CRPS“), einer Endometriose oder einer Sklerodermie haben, können Sie nach telefonischer Anmeldung innerhalb von 24 Stunden eine erste Beratung erhalten. Die Überweisung kann dann auch nachträglich beigebracht werden.

Bei allen anderen chronischen, nicht durch Tumorerkrankungen bedingten Schmerzen müssen Sie zunächst einen Fragebogen anfordern und diesen dann ausgefüllt mit der Fragestellung Ihres überweisenden Arztes und allen vorhandenen Arztbriefen und Diagnostikberichten an uns schicken. Der ausgefüllte Fragebogen und die medizinischen Unterlagen werden von uns benötigt, um Ihren ersten Termin optimal vorbereiten zu können. Wir werden Ihnen innerhalb von zwei Wochen einen Terminvorschlag zusenden und bemühen uns die Wartezeit auf einen Vorstellungstermin so kurz wie möglich zu halten.

Kontakt

Schmerz- und Palliativzentrum

CharitéUniversitätsmedizin Berlin

CBF: Campus Benjamin Franklin

CharitéCentrum Anästhesiologie und Intensivmedizin CC 7

Klinik für Anästhesiologie mit Schwerpunkt operative Intensivmedizin

Postadresse:

Hindenburgdamm 30

12203 Berlin

t: +49 30 450 551 622 +49 30 450 551 623

f: +49 30 450 551 921

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Tumorschmerz-Hotline

Die Tumorschmerz-Hotline erreichen Sie über die Telefon-Zentrale des Charité am Campus Benjamin Franklin
t: +49 30 8445-0
Lassen Sie sich bitte mit dem Funkruf des Akutschmerzdienstes verbinden.

Schmerz-Fragebogen

Den Schmerzfragebogen können Sie sich ausdrucken oder herunterladen.

Kontakt

Sollten Sie fachliche Fragen haben oder möchten Sie ein Lob oder auch Unzufriedenheit äußern, dann können Sie selbstverständlich jederzeit mit unseren Mitarbeitern Kontakt aufnehmen.

Der Weg zu uns

Informationen, wie Sie unsere Klinik mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Auto erreichen können, finden Sie unter: Der Weg zu uns.