Narkose (Anästhesie)

Der Arzt für Anästhesiologie ist der Spezialist des Klinikums für alle nichtoperativen medizinischen Leistungen, die den operativen Eingriff überhaupt erst ermöglichen. Sie werden während Ihres Krankenhausaufenthaltes immer wieder die Kompetenz der Ärzte unserer Klinik in Anspruch nehmen: für die Anästhesievorbereitung, die Wahl des Narkoseverfahrens, die Durchführung und Überwachung der Narkose, die postoperative Schmerztherapie, die Diagnose von perioperativen medizinischen Problemen und - wenn es erforderlich sein sollte – für die operative Intensivtherapie.

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Informationen zur Anästhesie im Fall eines geplanten Eingriffs

Narkosevorgespräch und präoperative Visite

Narkosevorgespräche dienen der Information und Aufklärung von Patienten, die sich einer Operation oder Intervention in Voll- oder Teilnarkose unterziehen müssen. Am Ende des Narkosevorgesprächs steht nach ausführlicher mündlicher Beratung durch den Narkosearzt die Einwilligungserklärung des Patienten.

Die Narkosegespräche am Campus Benjamin Franklin finden in der Anästhesieambulanz oder auf der Bettenstation statt. Die Anmeldung von Patienten zum Narkosevorgespräch erfolgt in der Regel durch die operierende Abteilung. Diese veranlasst vorher Untersuchungen (z.B. Laborbestimmung oder EKG), sofern diese für die Narkosevorbereitung oder den operativen Eingriff wichtig sind.
Patienten werden gebeten, auch unabhängig von der aktuellen Behandlung folgende Unterlagen zum Narkosegespräch mitzubringen, sofern diese vorhanden sind:

  • Unterlagen von früheren Behandlungen (z.B. Arztbriefe)
  • Ausweise (z.B. Notfallausweis, Allergiepass, Herzschrittmacherausweis)
  • Angaben zu den aktuellen Medikamenten.

Vor dem Narkosevorgespräch erhalten die Patienten eine schriftliche Information zur Narkose sowie einen Fragebogen zu wichtigen Gesundheitsfragen. Im darauf folgenden Narkosevorgespräch informiert der Anästhesist ausführlich über die Narkose und berät Patienten zum Anästhesieverfahren. Dies schließt eine Beratung zum Narkoserisiko ein. Im Gespräch mit dem Arzt können selbstverständlich mögliche Ängste bezüglich der Narkose besprochen werden.

Symptombezogen wird der Arzt eine körperliche Untersuchung durchführen und den Zahnstatus prüfen. Medikamente und Genussmittel, die operative Maßnahmen und die Anästhesie beeinflussen können, werden vom Arzt hinsichtlich Auswirkungen auf die Narkose geprüft. Besonders sind dies Mittel zur Hemmung der Blutgerinnung, zur Behandlung des hohen Blutdrucks, schmerzstillende Mittel, herzwirksame Medikamente, Asthma-Sprays sowie verschiedene pflanzliche Medikamente, aber auch Alkohol, Tabak oder Nahrungsergänzungsstoffe.

Der Arzt legt fest, ob vor einer Narkose noch weitere Untersuchungen notwendig sind; in einigen Fällen bedeutet das, dass Patienten den Narkosearzt ein zweites Mal aufsuchen müssen.

Bei der Auswahl des geeigneten Narkoseverfahrens werden soweit als möglich und sofern medizinisch vertretbar die Wünsche der Patienten berücksichtigt. Die Besonderheiten und Risiken der gewählten Narkoseform und die Anästhesiealternativen werden ausführlich dargelegt. Abschließend werden das gewählte Narkoseverfahren festgelegt und sofern notwendig die Medikamente verordnet, die am Operationstag eingenommen werden sollen.

Das Narkosevorgespräch ist abgeschlossen, wenn alle Fragen beantwortet sind und die Einverständniserklärung zur Anästhesie rechtswirksam unterschrieben ist. Bei Bestehen einer Betreuung für den Bereich Gesundheitssorge ist nur der Betreuer einwilligungsberechtigt. Sollten sich nach Abschluss des Narkosevorgesprächs weitere Fragen ergeben, dann nehmen Sie bitte mit einem unserer Mitarbeiter Kontakt auf.

Welche Anästhesieverfahren gibt es?

Allgemeinanästhesie

Als Allgemeinanästhesie wird ein medikamentös herbeigeführter kontrollierter Zustand der Bewusstlosigkeit und der fehlenden Schmerzempfindung des gesamten Körpers bezeichnet. Dieses Ziel kann durch gasförmige Narkosemittel (Inhalationsanästhesie) oder durch Anästhetika, die Ihnen in eine Vene verabreicht werden, erreicht werden (total intravenöse Anästhesie, TIVA). Auch Kombinationen beider Verfahren sind möglich. Für manche operativen Eingriffe ist zusätzlich die Erschlaffung der Willkürmuskulatur erwünscht. Bei dem Verfahren der Allgemeinanästhesie müssen Sie während der Narkose beatmet werden. Die Beatmung kann über eine Maske erfolgen oder über einen Beatmungsschlauch, der in die Luftröhre eingeführt wird (Endotrachealtubus) oder dem Kehlkopfdeckel aufsitzt (Larynxmaske). Endotrachealtubus und Larynxmaske werden erst eingeführt, wenn Sie bereits in Narkose sind und werden wieder entfernt bevor Sie das Bewusstsein wiedererlangen. Die Wirkung der Narkose lässt schnell nach, sobald Sie das Narkosemittel abgeatmet haben oder Ihr Körper die Anästhesiemittel abgebaut hat.

Regionalanästhesie

Bei der Regionalanästhesie bleibt das Bewusstsein erhalten, nur Teile des Körpers werden durch eine Unterbrechung der Schmerzleitung schmerzunempfindlich gemacht. Bei den rückenmarknahen Regionalanästhesieverfahren Spinalanästhesie und Periduralanästhesie (PDA) wird ein Lokalanästhetikum, ein örtliches Betäubungsmittel, in bestimmte Räume der Wirbelsäule eingespritzt. Diese Anästhesieverfahren sind für operative Eingriffe an den Beinen, in der Leiste, am Damm und im Unterleib geeignet. In der Regel ist die Beweglichkeit der schmerzfreien Körperregion eingeschränkt. In Absprache mit dem Anästhesisten können Sie für die Zeitdauer des operativen Eingriffs auf Wunsch ein Schlafmittel erhalten.

Nervenblockaden

Werden Mittel zur lokalen Betäubung (Lokalanästhetika) in die Nähe von Nervenbündeln, z.B. in der Achselhöhle oder im Schulter-Halsbereich gespritzt (Plexusanästhesie), ist die isolierte Ausschaltung der Schmerzempfindung und Beweglichkeit für einen Arm möglich. Das Verfahren ist für viele Eingriffe an Hand und Arm geeignet.

Analgosedierung

Durch eine kombinierte intravenöse Verabreichung von Schmerzmitteln (Analgetika) und Schlafmitteln (Sedativa) lässt sich ein Zustand der Schmerzausschaltung und schläfrigen Entspannung erzielen. Der Patient bleibt jederzeit erweckbar und atmet selbständig. Eine überwachte Sedierung mit Analgesie wird als Analgosedierung bezeichnet. Das Anästhesieverfahren kann für diagnostische Untersuchungen, invasive Prozeduren und operative Eingriffe eingesetzt werden. Bei operativen Eingriffen, z.B. in der Kieferchirurgie, wird das Verfahren in der Regel mit einer Lokal- oder Leitungsanästhesie durch den Operateur kombiniert.

Was passiert während der Narkose?

Die Einleitung einer Anästhesie erfolgt im Operationsbereich oder in besonders dafür ausgestatteten Räumen. Von Beginn bis zum Ende der Anästhesie ist der Narkosearzt ununterbrochen anwesend. Er ist verantwortlich für die Überwachung des Patienten und die Gewährleistung der adäquaten Narkosetiefe. Kontinuierlich werden bei der Narkose - unterstützt durch hochentwickelte Monitoring-Sensoren - lebenswichtige Körperfunktionen überwacht: Herzrhythmus, Gasaustausch, Kreislauffunktion, Nierenfunktion und Körpertemperatur. Wenn notwendig, ergreift der Narkosearzt Maßnahmen, um die Körperfunktionen zu stabilisieren. Das Management der Flüssigkeitszufuhr und wenn notwendig die Transfusion von Blut oder Blutprodukten gehören ebenfalls zu seinen Kernaufgaben.

Was passiert nach der Narkose?

Nach Beendigung der Narkose bringt der Anästhesist den Patienten in die ärztlich geleitete Aufwacheinheit. Hier findet die unmittelbare postoperative Nachsorge durch speziell qualifiziertes pflegerisches Personal statt. Die engmaschige Überwachung lebenswichtiger Körperfunktionen (Herzrhythmus, Blutdruck und Sauerstoffversorgung) wird fortgesetzt. Schmerzkontrolle sowie bei Bedarf die schnellstmögliche Behandlung von Übelkeit und Erbrechen und anderen Nachwirkungen von Narkose und Operation (Kältegefühl, Schüttelfrost) sind zentrale Elemente der Therapie.

Sobald die Narkosewirkung nach objektiven Beurteilungskriterien aufgehoben ist, werden die Patienten in der Regel nach spätestens 2 Stunden aus dem Aufwachraum auf ihr Zimmer zurückverlegt. Auf der Bettenstation werden die Patienten durch das dortige Personal weiter betreut. Der Anästhesist steht bei Bedarf für Fragen zum Narkoseverlauf zur Verfügung. Die Schmerztherapie auf der Bettenstation wird von den dort tätigen Pflegekräften und Ärzten nach einem mit unserer Klinik entwickelten Schmerztherapiestandard durchgeführt. Zusätzlich ist rund um die Uhr der Akutschmerzdienst der Klinik für Anästhesiologie tätig, der für komplexere Schmerztherapien nach operativen Eingriffen zuständig ist. Ob eine intensivierte Schmerztherapie empfehlenswert ist, wird während des Narkosevorgesprächs erörtert.

Besteht bei größeren operativen Eingriffen ein Risiko, dass sich lebenswichtige Körperfunktionen durch die Belastung des operativen Eingriffs oder bei Vorliegen schwerwiegender Begleiterkrankungen nach der Operation verschlechtern könnten, werden die Patienten die Intensivstation verlegt.

Anästhesie bei Kindern

Grundsätzlich gelten die Regeln der Anästhesievorbeitung von Erwachsenen auch für Kinder. Spezielle Voruntersuchungen sind bei gesunden Kindern in der Regel nicht erforderlich. Kindern sollten am Operationstag im Bereich der oberen Atemwege infektfrei oder weitgehend infektfrei sein. Eitriger Schnupfen oder Husten mit Auswurf stellen für eine Anästhesie von Kleinkindern ein gewisses Risiko für Komplikationen dar und sollten - auch kurzfristig - zur Verschiebung eines Wahleingriffes führen. Eine "laufende Nase" ohne Fieber und Infektsymptomatik ist dagegen kein Ausschlusskriterium für eine Narkose.

Wie Erwachsene können Säuglinge und Kinder bis 2 Stunden vor der Narkose klare Flüssigkeit trinken (Apfelsaft, leicht gezuckerten Tee, Wasser). Neugeborene und Säuglinge können bis 4 Stunden vor Anästhesiebeginn gestillt werden oder Flaschennahrung erhalten. Kinder über 1 Jahr müssen - wie Erwachsene - eine 6-stündige Nahrungskarenz einhalten.

Eine Stunde vor der Narkose erhalten Kinder ein cremebeschichtetes Pflaster auf den Handrücken. Dies bewirkt eine Betäubung der Haut und macht das Legen einer venösen Verweilkanüle schmerzfrei. Zusätzlich wird in der Regel ein Beruhigungsmittel in Saftform beim Narkosevorgespräch verordnet, das ebenfalls ca. eine Stunde vor der Narkose verabreicht wird.

Eltern sollen nach Möglichkeit bei ihren Kindern sein, bis die Narkoseeinleitung unmittelbar beginnt. Einleitung der Narkose wird aus Sicherheitsgründen im OP-Saal vorgenommen. Deswegen ist eine Anwesenheit der Eltern bei der Anästhesieeinleitung aus Hygienegründen leider nicht möglich.

Es gibt bei Kindern zwei Verfahren zur Narkoseeinleitung: Die Anästhesie kann entweder über eine Maske, über die das Kind ein gasförmiges Narkosemittel einatmet, eingeleitet werden, oder die Anästhesie wird mit einem Narkosemittel eingeleitet, das über eine venöse Verweilkanüle direkt ins Blut eingebracht wird. Wir bieten für Kinder beide Einleitungsverfahren an und entscheiden situativ, welches Verfahren für Ihr Kind am komfortabelsten ist.

Unmittelbar nach der Beendigung der Narkose werden Kinder unter Überwachung in die Aufwacheinheit gebracht. Hier ist die Anwesenheit der Eltern bis zur Verlegung auf die Bettenstation ausdrücklich erwünscht.

Bei Kindern unter 14 Jahren muss zur Anästhesie die Einwilligung der Personensorgeberechtigten, üblicherweise die Eltern, vorliegen. Es müssen beide sorgeberechtigten Elternteile zusammen die Einwilligung zur Anästhesie erteilen. Ausnahmen hiervon sind nur möglich, wenn es sich um einen Routineeingriff ohne wesentliche Risiken handelt und der erschienene Elternteil erklärt, zur Zustimmung auch für den anderen Elternteil bevollmächtigt zu sein. Minderjährige zwischen dem 14. und vollendeten 18. Lebensjahr können selbst rechtswirksam einwilligen. Hierbei muss sich der Anästhesist davon überzeugen, dass der minderjährige Patient die Art und Schwere des konkreten Eingriffs kennt und sich der Tragweite seiner Einwilligung bewusst ist. Er muss sich außerdem davon überzeugen, dass der minderjährige Patient zu einer sachgemäßen Bewertung des im Aufklärungsgespräch dargelegten Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Anästhesieverfahrens in der Lage ist.

Wie können Eltern ihr Kind und den Anästhesisten bei der Durchführung der Narkose unterstützen?

Eltern sollten sich den Ablauf des Operationstages und des Krankenhausaufenthaltes genau schildern und ihr Kind mit dem vertraut machen, was es erleben wird. Dies nimmt die natürliche Angst vor dem Ungewissen. Dazu gehört auch die Vorbereitung auf eventuelle schmerzhafte Behandlungen (Blutentnahme, Anlage von Venenverweilkanülen, Verbandswechsel). Verharmlosen und Verschweigen birgt das Risiko eines Vertrauensverlustes gegenüber den Eltern, aber auch gegenüber dem medizinischen Personal. Die vorübergehende Trennung von den Eltern kann erleichtert werden, indem das Kind ihm Vertrautes, z.B. sein Lieblingskuscheltier, eine Kuscheldecke oder anderes, in den Operationssaal mitnehmen darf.

Weitergehende unabhängige Informationen finden Sie unter www.kinder-narkose.de.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Nüchternheit vor der Narkose:

Sechs Stunden vor der Narkoseeinleitung dürfen Sie nichts mehr zu essen. Bis zu 2 Stunden vor der Narkose dürfen Sie - sofern Ihr Anästhesist nichts anderes anordnet - 1 bis 2 Tassen/Gläser klare Flüssigkeit trinken. Die Flüssigkeit darf keine Partikel, Alkohol oder Fett enthalten. Erlaubt sind also z.B. klarer Apfelsaft, Mineralwasser, Tee oder Kaffee. Die Getränke können gezuckert sein, dürfen aber keine Milch enthalten. Rauchen sollte 12 Stunden vorher beendet werden, kann aber bis 1 Stunde vor Narkoseeinleitung erfolgen.

Welche anästhesietypischen Komplikationen gibt es (Beispiele)?

Übelkeit und Erbrechen treten nur noch gelegentlich nach Anästhesien und Operationen auf. An unserer Klinik liegt infolge von verschiedenen Präventionsmaßnahmen die Rate von postoperativer Übelkeit und postoperativen Erbrechens seit Jahren bei 5% oder niedriger.

Wie hoch sind die Risiken bei einer Anästhesie?

Moderne Narkoseverfahren haben nicht nur ein hohes Maß an Komfort erreicht, sondern haben auch das Risiko schwerer anästhesiebedingter Nebenwirkungen in vertretbare Häufigkeiten gerückt. Mit einer tödlichen Komplikation ist nach heutiger Kenntnis noch mit 1 Fall pro 200.000 Anästhesien zu rechnen.

Was ist bei ambulant durchgeführten Eingriffen zu beachten?

Wird der operative Eingriff ambulant durchgeführt, gibt es einige Besonderheiten, die zu beachten sind. Diese werden im Rahmen des Narkosevorgesprächs detailliert besprochen. Bei unerwarteten Problemen und Rückfragen nach der Entlassung können Patienten und Angehörige die Mitarbeiter der Klinik unter den Ihnen mitgegebenen Telefonnummern rund um die Uhr erreichen.

Wo finde ich weitere Informationen zur Anästhesie und Narkose?

Ausführliche unabhängige Informationen finden Sie unter auf der Informationsplattform des Berufsverbandes Deutscher Anästhesisten (BDA)